{"id":534,"date":"2014-11-25T23:05:46","date_gmt":"2014-11-25T23:05:46","guid":{"rendered":"http:\/\/schubert-jutta.de\/?p=534"},"modified":"2014-11-25T23:06:48","modified_gmt":"2014-11-25T23:06:48","slug":"briefe-aus-prag-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/?p=534","title":{"rendered":"Briefe aus Prag &#8211; 22"},"content":{"rendered":"<p>Montag, 24. November 2014<\/p>\n<h1>Der Geist von Mozarts Katze<\/h1>\n<p>Liebster,<\/p>\n<p>eine Entt\u00e4uschung hielt Prag allerdings nun doch f\u00fcr mich bereit und dabei eine g\u00e4nzlich unerwartete. Heute machte ich mich endlich auf in den Ortsteil Smichov auf der anderen Moldauseite, um die Villa Bertramka zu sehen. In diesem Haus, das ehedem dem Ehepaar Dusek geh\u00f6rte, wohnte Mozart w\u00e4hrend seiner Besuche in Prag 1787 zur Urauff\u00fchrung seines \u201eDon Giovanni\u201c und 1791 zu \u201eLa clemenza di Tito\u201c. Josepha Dusek war eine Bewunderin und G\u00f6nnerin des Komponisten und stellte ihm das weitl\u00e4ufige Anwesen der Villa Bertramka mit gro\u00dfem, parkartigem Garten als R\u00fcckzugsort zur Verf\u00fcgung, damit er seine Oper \u201eDon Giovanni\u201c zu Ende komponieren konnte, was ihm in der Hektik der Stadt zwischen dem Hotel und den bereits laufenden Proben wohl nur schwer m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Mozart nahm das Angebot von Josepha Dusek an und verbrachte fernab des l\u00e4rmenden Stadt- und Theaterbetriebs eine Zeit auf dem ehemaligen Weingut, das damals wirklich weit au\u00dferhalb lag.<\/p>\n<p>Um die Villa Bertramka ranken sich seither einige hartn\u00e4ckige Legenden, deren Wahrheitsgehalt nicht mehr zu \u00fcberpr\u00fcfen ist. Mozart soll dort gut gearbeitet und in der Nacht vor der Premiere des \u201eDon Giovanni\u201c schnell noch die Ouvert\u00fcre komponiert haben. Man sagt ihm eine Liebschaft mit seiner G\u00f6nnerin nach, ebenso, dass sich Giacomo Casanova einige Male zu Besuch in der Villa aufgehalten habe, da er zeitgleich in Prag war, und dass Casanova und Mozart sich in der Bertramka begegnet seien.<\/p>\n<p>Der deutsche Autor Hanns-Josef Ortheil hat \u00fcber diese Zusammenh\u00e4nge einen Roman geschrieben, \u201eDie Nacht des Don Juan\u201c. Er war auf die Idee dazu gekommen, nachdem er die R\u00e4ume und die Ausstellung in der Villa Bertramka besucht hatte. Denn heute befindet sich dort selbstredend ein Mozart-Museum. Die damals genutzten Wohnr\u00e4ume sind museal zug\u00e4nglich, auch Mozarts Arbeitszimmer mit dem Cembalo, an dem er komponiert haben soll. Ja, das wollte ich nat\u00fcrlich unbedingt sehen und es sollte f\u00fcr mich im Stillen einer der H\u00f6hepunkte meiner Prager Besichtigungstouren werden.<\/p>\n<p>Mein Reisef\u00fchrer warnte zwar vor dem etwas miefigen \u201eDornr\u00f6schenschlaf\u201c, in den der liebliche Ort gefallen sei, seit die Prager Mozart-Gemeinde das Anwesen \u00fcbernommen habe. Doch dieser F\u00fchrer hat inzwischen etwa gleichviel Recht und Unrecht behalten, und da er au\u00dferdem die t\u00e4gliche \u00d6ffnungszeit des Museums zwischen 10 und 17 Uhr vermerkt, machte ich mich ganz sorglos und voller Vorfreude auf den Weg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_535\" aria-describedby=\"caption-attachment-535\" style=\"width: 5152px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Mozart2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-535 size-full\" src=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Mozart2.jpg\" alt=\"Mozart2\" width=\"5152\" height=\"3864\" srcset=\"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Mozart2.jpg 5152w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Mozart2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Mozart2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Mozart2-399x300.jpg 399w\" sizes=\"auto, (max-width: 5152px) 100vw, 5152px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-535\" class=\"wp-caption-text\">(c) Foto: Jutta Schubert<\/figcaption><\/figure>\n<p>Harald Salfellner schreibt in seinem sch\u00f6n detailreichen, gut recherchierten und reichlich bebilderten Buch \u201eMozart und Prag\u201c zwar, dass die Landschaft in der Umgebung der Villa sich im Laufe des 19. Jahrhunderts grundlegend wandelte und die Vorstadt Smichov sich zu einem rasch aufstrebenden Industrieviertel entwickelte, das bald schon einen Kranz von Fabriken und Schloten rund um den Landsitz legte, \u201eder wie eine Insel der Ruhe aus dem L\u00e4rm des Gewerbegebiets ragte. Heute sind diese Fabriken, so sie noch bestehen, l\u00e4ngst selbst zu Anachronismen geworden, die im Vergleich zur gesichtslosen Industriearchitektur der Gegenwart oder dem aufdringlichen Glaspalast einer Hotelkette in unmittelbarer N\u00e4he der Bertramka fast anmutig wirken.\u201c<\/p>\n<p>Soweit Harald Salfellner, dessen eindeutige Warnung, die man aus diesen Worten herauslesen konnte, ich ebenfalls in den Wind schlug. Ich bin halt ein Kind vom romantischen Mittelrheintal und in den letzten Jahren habe ich zudem so viele inspirierende Dichter- und Musikerst\u00e4tten im Osten Deutschlands, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR besucht, die alle nach der Wende wunderbar restauriert wurden und sehr gepflegt werden, so dass ich dachte, ein Ort, wo Mozart seinen \u201eDon Giovanni\u201c beendet hat, k\u00f6nnte all das mit Leichtigkeit \u00fcberfl\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Die Metro spuckte mich an der Station Andel in eine turbulente Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe und zudem mitten hinein in einen verfr\u00fchten Weihnachtsmarkt vor der Station. Smichov ist heute ein Viertel irgendeiner modernen, gesichtslosen Gro\u00dfstadt und ich sehnte mich sofort in die Prager Altstadt zur\u00fcck. Hier in Smichov war ich pl\u00f6tzlich atmosph\u00e4risch irgendwo zwischen K\u00f6ln und Stuttgart gelandet. Doch links in der Ferne machte ich einen gr\u00fcnen H\u00fcgel aus, vielleicht sogar einen Weinberg. Also lie\u00df ich die vielf\u00e4ltigen Ger\u00fcche der Gl\u00fchwein- , Kerzen- und Seifenst\u00e4nde hinter mir und machte mich auf den Weg.<\/p>\n<p>Buchst\u00e4blich auf Schritt und Tritt wurde es schlimmer. Autobahnzubringer kreuzten die Hauptverkehrsstra\u00dfe, bald wusste ich gar nicht mehr, wo man denn als Fu\u00dfg\u00e4nger entlanglaufen sollte. Zwischen abbruchreifen ehemaligen Fabrikgeb\u00e4uden, stark befahrenen Verkehrsadern, D\u00f6nerl\u00e4den, Baustellen und abbruchreichen H\u00e4usern mit leeren Fensterh\u00f6hlen gelangte ich endlich die kopfsteingepflasterte Auffahrt zur Bertramka hinauf. Schon von weitem sah ich, dass das gro\u00dfe Eingangstor des Anwesens geschlossen war. Doch es gab eine kleine T\u00fcr daneben. Zu. Ich r\u00fcttelte am Tor. Ich klopfte. Ich las das schmuddelige Schild an der Mauer, das auf das Museum hinwies. Immerhin, ich war also richtig. Die darauf gedruckten \u00d6ffnungszeiten waren mit einem Zettel \u00fcberklebt worden, darauf stand: T\u00e4glich 10-16 Uhr. Ich schaute ungl\u00e4ubig auf meine Armbanduhr. 13.30 Uhr. Dann stieg ich den Treppenweg links neben dem Tor hinauf, an der Au\u00dfenmauer des Anwesens entlang, in der Hoffnung, eventuell von hinten irgendwo Einlass zu finden. Die mit Graffiti bespr\u00fchte hohe Wand lie\u00df keinen Blick in den Park dahinter zu. Im Haus hinter der Mauer war, soviel ich erkennen konnte, alles dunkel, es r\u00fchrte sich nichts. Eine kleine, seitlich in die Mauer eingelassene T\u00fcr nahe des Hauses war von Spinnweben \u00fcberzogen und sicherlich seit Jahren nicht mehr ge\u00f6ffnet worden sein. Kurz darauf konnte ich ein Schild hinter der Mauer erkennen: \u201eSouvenirs\u201c. Aha, da hatte es also mal was gegeben. Lange vorbei, wie mir schien.<\/p>\n<p>Der Weg bergauf erwies sich als ergebnislos. Man gelangte in eine dahinter liegende Siedlung, die Ger\u00e4usche eines belebten Schulhofs waren zu h\u00f6ren. Die Mauer knickte ab hier und zog sich rechts herum weiter. Die Gr\u00f6\u00dfe des dazugeh\u00f6rigen Parks war daher jedenfalls ungef\u00e4hr zu ermessen. Irgendwo in diesem Park soll eine Mozart-B\u00fcste stehen, habe ich gelesen.<\/p>\n<p>Ich ging zur\u00fcck, hinunter zum Tor. Wie ich jetzt erst sah, war das Anwesen auf der rechten Seite nur von einem sehr morschen, teils abgebrochenen J\u00e4gerzaun auf einer kleinen Betonmauer begrenzt, so dass man mir wenigstens einen Blick auf das Gel\u00e4nde erlaubte. Das gro\u00dfe Tor, an dem ich ger\u00fcttelt hatte, war von hinten mit einem Holzstock gesichert. Der Weg zum Haus lag voll mit Laub und machte einen recht verwahrlosten Eindruck. Oberhalb konnte ich die Villa liegen sehen. Auf dem Weg hinauf sa\u00df eine schwarzbraune Katze und putzte sich ausgiebig. Sie schien das einzige lebende Wesen hier zu sein. Der Geist von Mozarts Katze, musste ich automatisch denken. Ich schoss einige Fotos \u00fcber den J\u00e4gerzaun hinweg, vom Haus und vom Garten. Die Katze blieb unbeeindruckt. Dann machte ich mich auf den R\u00fcckweg zur Metrostation.<\/p>\n<p>An einer roten Ampel mitten im Verkehrsgewirr, stand ich l\u00e4nger, bis ein Passant mich auf Tschechisch ansprach. Er dr\u00fcckte auf den Knopf f\u00fcr die Ampelanlage, den ich vorher gar nicht bemerkt hatte. Die Ampel sprang auf gr\u00fcn. \u201eAh\u201c, murrte ich schlecht gelaunt. \u201eEnglish?\u201c fragte er. \u201eYes.\u201c \u201eYou must do that, otherwise the light will do nothing.\u201c Ich nickte. \u201eWhere do you come from?\u201c \u201eGermany.\u201c \u201eHamburg?\u201c \u201eNo. Frankfurt.\u201c Er konnte meine Antwort nicht verstehen, der Autol\u00e4rm war zu laut. \u201eAha\u201c, sagte er deshalb. Wir gingen gemeinsam bis zur n\u00e4chsten Kreuzung. Eigentlich bestand die Stra\u00dfe, soweit man sehen konnte, nur aus Kreuzungen. \u201eI wanted to see the Mozart-Museum\u201c, sagte ich. \u201eBut it\u2019s closed.\u201c Er lachte und nickte. \u201eYes, there are not many tourists in Prag at the moment.\u201c Ich gab ein Knurren von mir. Dann hatten wir die n\u00e4chste Kreuzung erreicht. Er bog nach links ab, ich ging nach rechts.<\/p>\n<p>\u201eNur hinter der Mauer des ehemaligen Weingutes kommt noch eine Ahnung von der Stille und Poesie auf, die Wolfgang Amadeus Mozart hier gefunden haben mochte\u201c, schreibt Salfellner. M\u00f6glich. Ich kann Mozart nur w\u00fcnschen, dass er f\u00fcr sich und seine Musik hier ein Refugium gefunden hatte. Eine Inspiration, wie sie Hanns-Josef Ortheil vor Jahren an diesem Ort zuteil wurde, war mir heute jedenfalls nicht ann\u00e4hernd verg\u00f6nnt. Ob nun gerade viel oder wenig Touristen in der Stadt sind, Mozart bleibt doch immerhin Mozart. Hat die Bertramka vielleicht nur montags geschlossen? Oder nur sonntags ge\u00f6ffnet? Oder zwischen November und M\u00e4rz gar nicht? Ich werde es nicht erfahren. Bleibt nur, mir vorzustellen, wie es vielleicht einmal gewesen ist. Doch das war ohne den realen Anblick dieses traurigen Anwesens ehrlich gesagt leichter. Es gibt Momente, in denen befl\u00fcgelt die Wirklichkeit die Phantasie \u00fcberhaupt nicht. Vielleicht ist etwas von der Kraft dieses Ortes tats\u00e4chlich noch hinter den Mauern zu sp\u00fcren. Vor den Mauern ist jedenfalls alles ausgelaugt, so leer und h\u00e4sslich wie das, was Menschen aus Orten und Landschaften eben machen, wenn man sie gedankenlos immer weiter wurschteln l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Heute findet man Mozart in Prag nur noch als Silhouette eines Schattenrisses. Einbeinig dirigierend, wie ein Eiskunstl\u00e4ufer, fliegt er \u00fcber T-Shirts, Tassen und Postkarten hinweg, ma\u00dfgeblich in Pink. Zu seinen Lebzeiten haben die Prager Mozart jedenfalls geliebt. Bei allem, was er in Salzburg und Wien erleben musste, war Prag f\u00fcr ihn ein Segen. Das ist doch ein Trost. Und neben den beiden Opern f\u00fcr Prag hat er uns au\u00dferdem noch die \u201ePrager Sinfonie\u201c hinterlassen. Von alledem wei\u00df die Katze im Vorgarten der Bertramka nichts. Oder am Ende doch?<\/p>\n<p>Der Weihnachtsmarkt vor der Metrostation hatte mich wieder. Nun war der Moment gekommen, endlich die s\u00fc\u00dfe b\u00f6hmische Spezialit\u00e4t zu probieren, die in Prag an fast jeder Stra\u00dfenecke angeboten wird. Trdelnik. Diese f\u00fcr mich unaussprechliche S\u00fc\u00dfigkeit sehe ich seit Wochen \u00fcberall, ein rundes Geb\u00e4ck aus Hefeteig mit gemahlenen Mandeln und Vanille, getaucht in Zimt und Zucker. Es wird an langen Spie\u00dfen auf dem offenen Holzfeuer gebacken. Der oder das Trdelnik schmeckte warm, s\u00fc\u00df, hefig und ein bisschen zu trocken. Adieu Smichov.<\/p>\n<figure id=\"attachment_536\" aria-describedby=\"caption-attachment-536\" style=\"width: 5152px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Trdelnik2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-536 size-full\" src=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Trdelnik2.jpg\" alt=\"Trdelnik2\" width=\"5152\" height=\"3864\" srcset=\"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Trdelnik2.jpg 5152w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Trdelnik2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Trdelnik2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Trdelnik2-399x300.jpg 399w\" sizes=\"auto, (max-width: 5152px) 100vw, 5152px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-536\" class=\"wp-caption-text\">(c) Foto: Jutta Schubert<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als ich wieder am Wenzelsplatz stand, war der Nachmittag schon weit fortgeschritten und es hatte zu nieseln begonnen. Ich ging ziellos und fand dabei Dinge, die ich bislang \u00fcbersehen hatte. Das Geburtshaus von Egon Erwin Kisch beispielsweise oder das Glockenspiel der astronomischen Uhr, bei dem der Tod das Gl\u00f6ckchen l\u00e4utet und seine Sanduhr dreht, w\u00e4hrend \u00fcber ihm in zwei kleinen Fenster\u00f6ffnungen zu jeder vollen Stunde die zw\u00f6lf Apostel vorbei defilieren, jeweils mit einem kurzen Blick hinunter zu ihrem staunenden Publikum, das heute nur aus wenigen Touristen bestand. Was f\u00fcr ein Segen. Schnell sind alle Apostel durch, die Fenster schlie\u00dfen sich, durch die Menge geht ein entt\u00e4uschtes \u201eoh\u201c.<\/p>\n<p>\u201eAnd now we will change money\u201c, h\u00f6rte ich prompt jemanden mit gro\u00dfer Befriedigung neben mir sagen und erinnerte mich an den jungen Mann, den ich vor Tagen im Vorbeigehen zu seiner Partnerin sagen h\u00f6rte: \u201eJetzt haken wir erst mal die Karlsbr\u00fccke ab und dann gehen wir was essen.\u201c<\/p>\n<p>Bei meinem neugierigen, etwas gedankenlosen Umherschweifen habe ich heute auch begriffen, wie viele verschiedene Sorten von Absinth es gibt und dass man die dazu angebotenen l\u00f6chrigen Silberl\u00f6ffel dazu benutzt, absinthgetr\u00e4nkte Zuckerw\u00fcrfel zu erhitzen, bis sie karamellisiert sind, um sie dann mit einer Mischung aus kaltem Wasser und Absinth zusammen aufzur\u00fchren. Eine Art Ritual, das ein Japaner, den ich beim Einkauf beobachtete, gut zu kennen schien. Er suchte sehr w\u00e4hlerisch eine ganz bestimmte Sorte farblosen Absinths aus und bestellte dazu: \u201eAnd the sugar please.\u201c Nach dem zweiten oder sp\u00e4testens dritten Gl\u00e4schen kommt, wie ich mir sagen lie\u00df, unweigerlich und sofort der Black Out, verbunden mit einem Filmriss. Darauf steuert der Absinthtrinker in meiner Geschichte aus dem Caf\u00e9 Slavia zielstrebig zu.<\/p>\n<p>Um noch mehr Englisch zu h\u00f6ren, suchte ich das amerikanische Literaturcaf\u00e9 \u201eGlobe\u201c in einer der Seitenstra\u00dfen hinter der Nationalstra\u00dfe auf. Dort h\u00e4ngen sehr sch\u00f6ne Autorenfotos an den W\u00e4nden, in einer seltsamerweise v\u00f6llig unbeleuchteten Fotogalerie. Ich sah sie mir trotzdem an und erkannte unter anderem Susan Sontag, Umberto Eco und Gore Vidal, eine Originalaufnahme aus dem Caf\u00e9. Der dazugeh\u00f6rige amerikanische Buchladen ist mit nahezu der gesamten einschl\u00e4gigen englischsprachigen Weltliteratur best\u00fcckt, eine Freude f\u00fcr mich, das zu sehen. Hier blieb ich dementsprechend l\u00e4nger, um zu st\u00f6bern, den Regen abzuwarten und einen echten, amerikanischen Cheeseburger zu essen. Bei so viel Englisch um mich herum f\u00fchlte ich mich nahezu heimisch. Denn ausnahmsweise konnte ich zum ersten Mal seit Wochen alles lesen!<\/p>\n<p>In Liebe,<br \/>\nDeine<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 24. November 2014 Der Geist von Mozarts Katze Liebster, eine Entt\u00e4uschung hielt Prag allerdings nun doch f\u00fcr mich bereit und dabei eine g\u00e4nzlich unerwartete. Heute machte ich mich endlich auf in den Ortsteil Smichov auf der anderen Moldauseite, um die Villa Bertramka zu sehen. In diesem Haus, das ehedem dem Ehepaar Dusek geh\u00f6rte, wohnte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,10,3,7,5],"tags":[],"class_list":["post-534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunst","category-leben","category-literatur","category-malerei","category-theater"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=534"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":537,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534\/revisions\/537"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}