{"id":519,"date":"2014-11-21T01:11:48","date_gmt":"2014-11-21T01:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/schubert-jutta.de\/?p=519"},"modified":"2014-11-21T01:13:41","modified_gmt":"2014-11-21T01:13:41","slug":"briefe-aus-prag-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/?p=519","title":{"rendered":"Briefe aus Prag &#8211; 18"},"content":{"rendered":"<p>Donnerstag, 20. November 2014<\/p>\n<h1>\u201e&#8230;mein wirkliches Leben anzufangen, in welchem mein Gesicht endlich mit dem Fortschreiten meiner Arbeiten in nat\u00fcrlicher Weise wird altern k\u00f6nnen.\u201c<\/h1>\n<h1><em> (Franz Kafka, Tagebucheintrag vom 3.1.1912)<\/em><\/h1>\n<p>Liebster,<\/p>\n<p>bei dem recht unbekannt gebliebenen Autor und Kafkaforscher Josef M\u00fchlberger (1913-1978) las ich in einem B\u00e4ndchen, das ich in der Bibliothek des Prager Literaturhauses fand, seine wirklich beeindruckenden autobiografischen Schilderungen zur Zeit der deutschen Besatzung Prags und seine eigene sp\u00e4tere Vertreibung aus dem Sudetenland. In diesen Aufzeichnungen schildert er eine Begegnung mit Max Brod in der Redaktion des <em>Prager Tagblatts<\/em> im Oktober 1938, kurz nach dem Einmarsch der Deutschen. Hier ein gek\u00fcrzter Auszug seiner sehr eindringlichen Schilderung: \u201eDie \u00fcberf\u00fcllte Stadt erschien stumm, trotz der Unruhe der Menschen wie erstarrt, vor Beklommenheit und Angst, was nun kommen musste, gel\u00e4hmt&#8230;. Die Stadt Franz Kafkas lag in einem Alptraum. Oder in Agonie? Ich ging in die fr\u00fcher oft betretene Herrengasse, ins Haus des <em>Prager Tagblatts<\/em>&#8230; Max Brod sa\u00df in seinem schmalen Redaktionszimmer, hockte hinter seinem mit Papieren und B\u00fcchern \u00fcberladenen Schreibtisch, klein in dem Tohuwabohu, das so w\u00fcst wie immer war&#8230;<\/p>\n<p>\u201eAuch in Prag sind die W\u00e4nde mit Hakenkreuzen bemalt \u2013 darin sind sich die Urfeinde, Tschechen und Deutsche, einig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGewiss. Hektik. Das wird sich legen. Man wird nichts \u00fcbereilen m\u00fcssen, man kann sich Zeit lassen.\u201c Nach kurzem Schweigen fuhr er fort: \u201eWenn es so weit kommen sollte \u2013 wie bring ich den Kafka heraus?\u201c&#8230; Er schaute mich an, dann sagte er aus einer Traurigkeit, deren Schatten oft \u00fcber sein Gesicht glitt: \u201eKafka hat es mit seinem Wunsch, seine Handschriften zu vernichten, ernst gemeint, wie er alles immer nur ernst gemeint hat. Wie oft fragt man mich: Warum hat er es nicht getan? Dumme Frage! Er hat gelebt, indem er schrieb&#8230; H\u00e4tte er, solange er lebte, vernichten sollen, wodurch er lebte? Das w\u00e4re einem Selbstmord gleichgekommen&#8230; Hatte ich ein Recht, das Werk, das sein Leben gewesen und zum Verm\u00e4chtnis eines Toten geworden ist, zu vernichten? Ich bin kein M\u00f6rder.\u201c Nach kurzem Schweigen fuhr er fort: \u201eGeht es nur um Kafka? Es geht auch um mich. Kafkas Werk ist wie sein St\u00fcck Leben ein St\u00fcck von mir geworden. Mehr noch als das! Dieses Werk vernichten, w\u00e4re f\u00fcr mich einem Selbstmord gleichgekommen.\u201c<\/p>\n<p>So unmittelbar von einem direkten Zeitzeugen berichtet, leuchtet mir diese Erkl\u00e4rung absolut ein und macht mich betroffen. Es handelt sich, wie man sich eigentlich denken kann, um weit mehr, als das Retten unsch\u00e4tzbarer Texte der Weltliteratur. Dahinter steht auch ein ganz pers\u00f6nliches Schicksal und Dilemma.<\/p>\n<p>In einer Erz\u00e4hlung M\u00fchlbergers, die er \u201eBesuch bei Kafka\u201c nennt, schildert er au\u00dferdem eine fiktive Begegnung mit Kafka auf dem tschechischen Ehrenfriedhof Vysehrad. Sie inspirierte mich zu nachfolgendem Text, wie ich mir einen \u201eBesuch bei Kafka\u201c vorstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Kafkatasse2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-520\" src=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Kafkatasse2.jpg\" alt=\"Kafkatasse2\" width=\"5152\" height=\"3864\" srcset=\"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Kafkatasse2.jpg 5152w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Kafkatasse2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Kafkatasse2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Kafkatasse2-399x300.jpg 399w\" sizes=\"auto, (max-width: 5152px) 100vw, 5152px\" \/><\/a><strong><em>Das wirkliche Leben<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAch, kommen Sie doch herein, in meine M\u00f6nchsklause\u201c, sagte Kafka und trat einen Schritt beiseite, beinahe unmerklich, um mich vorbeizulassen. Ich hatte Scheu, das kleine H\u00e4uschen zu betreten. Zu intim, zu nah schien mir diese Schreibh\u00f6hle, doch da er dabei war, gebot schon allein die H\u00f6flichkeit, seine Einladung anzunehmen. Dennoch kam ich mir wie ein Voyeur vor. Ich verschr\u00e4nkte die H\u00e4nde auf dem R\u00fccken und wagte den Schritt \u00fcber die Schwelle, in einen winzigen Flur, links sah ich eine schmale niedrige T\u00fcr, die zum Abort f\u00fchrte \u2013 dort mochte er einen Eimer stehen haben, flie\u00dfendes Wasser gab es hier im Alchimisteng\u00e4sschen doch wahrscheinlich nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit nur wenigen Schritten stand ich bereits mitten in dem winzigen Zimmer und drehte mich, etwas beklommen und scheu nach meinem Gastgeber um. Er schloss die T\u00fcr und folgte mir. \u201eEs gibt leider\u201c, sagte er, \u201ekeinen zweiten Stuhl. Wissen Sie, niemand besucht mich hier und das ist normalerweise auch gut so. Nur meine Schwester kommt manchmal. Sie bringt das Essen&#8230;oder&#8230; holt das leere Geschirr wieder ab. Sie umsorgt mich.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Ich stand etwas hilflos herum, die H\u00e4nde noch immer hinter dem R\u00fccken verschr\u00e4nkt und nickte. Es war schon d\u00e4mmrig in dem kleinen Raum, deshalb hatte ich Angst, er k\u00f6nnte mein Nicken nicht bemerken und sagte schnell: \u201e Ja. Danke, dass ich es mir anschauen darf.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eNehmen Sie doch Platz\u201c, sagte er und deutete mit dem ausgestreckten Arm auf den Holzstuhl, der vor dem kleinen Holztisch am Fenster stand. \u201eAber&#8230;\u201c, setzte ich z\u00f6gernd an, \u201edas ist doch&#8230; Ihr Arbeitsplatz.\u201c Er lachte. \u201eNicht, wenn Sie hier sind!\u201c sagte er.<\/em><\/p>\n<p><em>Es schien ihn au\u00dferordentlich zu am\u00fcsieren. \u201eSie werden sich ja nicht festsetzen! Oder gar einnisten! Denn in dem Falle w\u00e4re ich gezwungen&#8230;\u201c. Er vollendete den Satz nicht, lie\u00df ihn locker ins Schweigen versickern, aber das war nicht unangenehm. Die Stille hing einen Moment zwischen uns.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eUm Himmels Willen!\u201c rief ich aus, \u201eich bleibe nur ein paar Minuten. Ich komme mir sowieso schon wie ein Eindringling vor.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEindringling?\u201c Seine gro\u00dfen, dunklen Augen ruhten auf mir. \u201eNein, nein. Das besorgen andere. Ich habe Sie ja eingeladen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEs ist mir eine Ehre.\u201c Ich zog den Stuhl so unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich ein klein wenig vom Tisch fort, er schabte \u00fcber den Boden, und setzte mich vorsichtig. Er knarrte etwas, war hart und kalt. Ein wenig verlegen begann ich, mich umzusehen. Auf dem Tisch gab es eine Lampe, ich konnte in der D\u00e4mmerung nicht erkennen, ob es eine Petroleumlampe war oder ob es hier im H\u00e4uschen Storm gab. Er z\u00fcndete sie nicht an. Er stand etwas rechts von mir in der Tiefe des kleinen Raums, eine schwarze schmale Gestalt im halben Licht. Durchs Fenster sah ich hohe Baumst\u00e4mme, die sich in einen Abgrund verloren. Er schien meinem Blick zu folgen. \u201eDer Hirschgraben\u201c, sagte er. \u201eAber im Grunde sehe ich nichts davon. Ich komme immer nach Einbruch der Dunkelheit, dann ist es einfach schwarz vor dem Fenster, sehr sch\u00f6n und sehr still.\u201c In seiner Stimme klang etwas Sehns\u00fcchtiges.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDas ist wunderbar f\u00fcr Sie, dass Sie diesen Ort gefunden haben\u201c, sagte ich. Ich wagte es, die Tischplatte zu ber\u00fchren. Sie f\u00fchlte sich glatt und speckig an, beinahe wie Stein. Neben der Lampe lagen einige schmale Hefte, s\u00e4mtlich mit schwarzem Einband, die Kanten sehr ordentlich aufeinandergelegt. Sie sahen wie die Schulhefte eines besonders akribischen Sch\u00fclers aus. Meine Hand zuckte, doch ich beherrschte mich und ber\u00fchrte sie nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDas ist nichts\u201c, sagte er, \u201eein paar Tagebuchaufzeichnungen. Nichts von Bedeutung. Und dort\u201c, er deutete nach links, \u201edas sind lauter Anf\u00e4nge.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAnf\u00e4nge?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eJa, ich sitze da unter anderem an etwas, ich nenne es Das Schloss. Nichts Gro\u00dfes. Auch noch kein guter Titel, oder? Was meinen Sie?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Mein Herz klopfte sp\u00fcrbar, ich befand mich in einer Zwickm\u00fchle. Sollte ich ihm sagen, dass ich aus der Zukunft kam, dass ich bereits wusste&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEs kommt darauf an\u201c, erwiderte ich vorsichtig.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWorauf?\u201c Pl\u00f6tzlich schien er hellwach.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eNun, worum es sich dabei handelt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSie meinen, um was es geht? Das kann ich noch nicht sagen.\u201c Ich h\u00f6rte, dass er log und er schien das zu bemerken und setzte unschl\u00fcssig hinzu: \u201eEine Variation des immergleichen Themas. Die Menschen. Ihre Macht. Ihre Machtlosigkeit.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEin Roman?\u201c wagte ich mich vorzutasten.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eVielleicht\u201c, sagte er leichthin. \u201eEin Luftgebilde. Wie gesagt. Nichts Weltbewegendes.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Ich hatte den Eindruck, er wollte gern das Thema wechseln. In der Tat sah ich weiter nichts in dem kleinen Zimmer, keinen Schrank, kein Regal mit B\u00fcchern. In seinem R\u00fccken befand sich noch ein kleines Fenster. Dankbar folgte er meinem Blick. \u201eEs geht auf die stille Gasse hinaus\u201c, sagte er erleichtert, \u201eSie k\u00f6nnen mich gleich ein St\u00fcck hinunter begleiten, auf meinem n\u00e4chtlichen Weg in die Stadt. Das wird Ihnen gefallen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eBleiben Sie denn nicht hier, um zu arbeiten?\u201c Das Gef\u00fchl, ihm im Weg zu sein, war bei mir zur\u00fcckgekehrt. Ich wollte seine kostbare Zeit nicht stehlen, die wenige Zeit, die er, wie ich wusste, zum Schreiben hatte. Doch er wusste nichts von meinem schlechten Gewissen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAch nein. Sagen wir, heute ist ein Feiertag.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eOh, warum das?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWeil Sie da sind. Das ist etwas Au\u00dferordentliches, finden Sie nicht auch?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSie meinen, weil Sie sonst niemals hier Besuch haben?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eRichtig. Ich kann Ihnen deshalb auch gar nichts anbieten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eOh, Gott bewahre, das m\u00fcssen Sie nicht!\u201c Ich stand schnell auf, wir standen uns einen Augenblick gegen\u00fcber.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIch m\u00f6chte Sie wirklich nicht st\u00f6ren. Das Beste wird sein, ich gehe und lasse Sie allein.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAllein bin ich immer und sowieso. Ich gehe gern ein St\u00fcck des Wegs mit Ihnen zur\u00fcck.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Etwas schien sich in der linken Ecke des Zimmers zu bewegen. Ich r\u00fchrte mich nicht von der Stelle. Mit kaum drei Schritten h\u00e4tte ich es erreicht. Konnte es ein Schatten sein? Doch ohne Licht war das kaum m\u00f6glich. Ich sah hin. Da war nichts.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eManchmal gibt es K\u00e4fer\u201c, sagte er und l\u00e4chelte. \u201eAber wer f\u00fcrchtet sich schon vor einem kleinen Insekt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Auf einmal wurde mir kalt. Was hatte ich erwartet? Einblick in seine Hexenk\u00fcche zu bekommen? In sein Geheimnis eingeweiht zu werden? Etwas wie ein Fluchtimpuls ergriff mich.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIch bin froh, dass Sie diesen Ort zum Schreiben gefunden haben\u201c, wiederholte ich tapfer und zog mich langsam in Richtung T\u00fcr zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAch, man k\u00f6nnte auch sagen, es ist das letzte Mauseloch, das sie mir gelassen haben\u201c, sagte er auf einmal ernst und er klang ein wenig resigniert. \u201eWissen Sie, wenn es so mit der Welt bestellt ist, dass sich ein Mensch, nur weil er schreiben will, an einen solchen Ort begeben muss&#8230; Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin sehr froh, dieses H\u00e4uschen zu haben. Doch bei Licht besehen&#8230;\u201c. Er machte eine Pause, die eine Spur zu lang war. \u201eDas ist es eben, was es mit dem Schreiben auf sich hat. H\u00fcten Sie sich am besten davor, wenn ich Ihnen ein Rat geben darf. Setzen Sie sich nicht in ein solches Mauseloch. Gehen Sie ins Licht, in die W\u00e4rme, unter die Menschen. Wenn ich das tue, wissen Sie, dann habe ich immer das Gef\u00fchl, das EIGENTLICHE zu vers\u00e4umen. Uneinholbar. Das ist ein Fluch. Ich m\u00f6chte einmal mein wirkliches Leben anfangen. Das einzige Leben dahinter, darunter, unter allem. Ach, was sage ich Ihnen. Nehmen Sie es als das unverst\u00e4ndliche Feierabendgeschw\u00e4tz eines \u00fcberlasteten Beamten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIch denke, Sie sollten an sich glauben\u201c, erwiderte ich und bemerkte, dass ich inzwischen wieder drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe stand. Ich atmete tief die k\u00fchle Luft ein. Zu meinem Erstaunen war es bereits vollst\u00e4ndig dunkel geworden.<\/em><\/p>\n<p><em>Er zog den Schl\u00fcssel aus seiner Hosentasche und sperrte die T\u00fcr zu.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSo ein ganzes Haus sein eigen zu nennen und es verschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen vor der Welt. Das tut wirklich gut. Kommen Sie, da entlang.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Er f\u00fchrte mich durch die H\u00f6fe der Prager Burg, vorbei am schwarz ruhenden Gebirge des Doms. Die Stra\u00dfenlaternen warfen ein m\u00fcdes, wattiges Licht auf das Pflaster. Wir gingen eine Weile schweigend.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIch glaube doch an mich\u201c, sagte er auf einmal unvermittelt. \u201eJa, das ist das Einzige, woran ich wirklich glaube, wissen Sie. Oder eigentlich nicht an mich. An etwas, das in mir ist und das heraus will. Ich bin daf\u00fcr da, ihm ans Licht zu verhelfen. Es wird mein Leben kosten. Aber andererseits&#8230;\u201c. Er unterbrach sich, um zu lachen. Mir schien, er lachte gern. \u201eNur deshalb lebe ich ja! Dasselbe ist paradox, nicht wahr? Es ist wie eine Wurzel, die tief in den Boden reicht. Wie bei einem Baum. Er wird abgeschlagen werden oder der Sturm zerfetzt ihn am Ende. Aber die Wurzel&#8230;\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Domglocken schlugen, so dass ich erschrak. Es klang, als sei schon Mitternacht. War denn die Zeit so schnell vergangen? Das konnte nicht sein.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDie Wurzel\u201c, sagte er, auf einmal wieder ernst. \u201eWissen Sie. Die bleibt ja im Boden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In Liebe,<br \/>\nDeine<\/p>\n<p>PS.: Die gek\u00fcrzte Zitatpassage von Josef M\u00fchlberger ist dem Buch \u201eBesuch bei Kafka, Schriften von Josef M\u00fchlberger zu Franz Kafka\u201c, Einhorn-Verlag+Druck GmbH, Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd, 2005, entnommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donnerstag, 20. November 2014 \u201e&#8230;mein wirkliches Leben anzufangen, in welchem mein Gesicht endlich mit dem Fortschreiten meiner Arbeiten in nat\u00fcrlicher Weise wird altern k\u00f6nnen.\u201c (Franz Kafka, Tagebucheintrag vom 3.1.1912) Liebster, bei dem recht unbekannt gebliebenen Autor und Kafkaforscher Josef M\u00fchlberger (1913-1978) las ich in einem B\u00e4ndchen, das ich in der Bibliothek des Prager Literaturhauses fand,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,10,3],"tags":[],"class_list":["post-519","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunst","category-leben","category-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=519"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":522,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519\/revisions\/522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}