{"id":316,"date":"2014-02-14T19:24:34","date_gmt":"2014-02-14T19:24:34","guid":{"rendered":"http:\/\/schubert-jutta.de\/?p=316"},"modified":"2014-07-15T13:47:28","modified_gmt":"2014-07-15T13:47:28","slug":"noch-im-aufbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/?p=316","title":{"rendered":"Zum Tod von Gert Voss"},"content":{"rendered":"<p>Heute, am Tag, da Deutschland jubeln darf, weil wir gestern Nacht in Brasilien Fu\u00dfball-Weltmeister geworden sind, erreicht uns die traurige Nachricht, dass einer der ganz gro\u00dfen Theaterschauspieler des 20. Jahrhunderts gestorben ist: Gert Voss. So nah liegen Freude und Trauer beieinander. Das passt zu ihm, auf diesem schmalen Grat interpretierte er zahllose Rollen. Ein unersetzlicher Verlust, die Theaterwelt trauert. Mich trifft sein Tod nicht allein deshalb, weil ich seine Schauspielkunst sehr bewundert habe und sie mir unvergesslich bleiben wird. Sie hatte etwas Flirrendes, dabei so Waches, Intelligentes und Scharfes, setzte genaue Konturen, zeichnete starke Menschenbilder \u2013 sondern auch, weil ich ihn pers\u00f6nlich gekannt habe. Als Regieassistentin im Bochumer Schauspielhaus in den 1980er Jahren hatte ich das Gl\u00fcck, ihn in der Probenarbeit erleben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Voss.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-390\" src=\"http:\/\/schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/Voss.jpg\" alt=\"Voss\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>Au\u00dferdem verlieren wir in ihm einen der ma\u00dfgeblichen Protagonisten gro\u00dfer Tabori-Inszenierungen. Vor Jahren habe ich das Gedicht \u201eOthello\u201c als Hommage an Gert Voss in einer Literaturzeitschrift ver\u00f6ffentlicht. Als ich vorhin die Nachricht von seinem Tod erhielt, habe ich es sofort herausgesucht, noch etwas bearbeitet und unter dem frischen Eindruck seines Todes noch ein zweites Gedicht f\u00fcr Gert Voss geschrieben. Leb wohl, Gert \u2013 oder, wie George Tabori treffender formuliert h\u00e4tte: \u201eSterb wohl\u201c und danke f\u00fcr Deine herrliche Schauspielkunst! Ich h\u00e4tte Dich gerne noch einmal auf der B\u00fchne gesehen.<\/p>\n<p>OTHELLO\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 f\u00fcr Gert Voss<\/p>\n<p>Schwarz geschminkt<br \/>\nnicht echt<br \/>\nblo\u00df Maskerade<\/p>\n<p>und doch mit Haut und Haar<br \/>\nunter die Haut gekrochen<br \/>\nso schmiert er alle an<\/p>\n<p>auf dass sie erfahren<br \/>\nwas Schwarz sein bedeutet<br \/>\ner stellt sich einen Panther dabei vor<\/p>\n<p>die Eifersucht des Raubtiers<br \/>\nvon gef\u00e4hrlicher Eleganz<br \/>\nwer ihn sieht<\/p>\n<p>begegnet dem Tier<br \/>\nerkennt sich<br \/>\nund vergisst es nicht wieder<\/p>\n<p>\u00a9 Jutta Schubert, 2004<\/p>\n<p>LEAR GEHT<\/p>\n<p>Wir werden ihn nie wieder sehen<br \/>\nwie er in seiner Blindheit w\u00fctet<br \/>\nverletzend verletzt<br \/>\nmit dieser klaren harten Stimme<br \/>\nwie eines Messers Schneide<br \/>\nin der Dunkelheit<\/p>\n<p>Immer war er mehr<br \/>\nals nur ein Spieler<br \/>\nmehr als Hofnarr Kom\u00f6diant und Herrscher<br \/>\nmehr als die Rolle<br \/>\neiner von uns<br \/>\nmit einem Stein im Schuh<\/p>\n<p>Lear geht<br \/>\nin aller Zartheit<br \/>\ngro\u00df im Leid<br \/>\nkomisch verzweifelt<br \/>\nwir bleiben auf der Heide<br \/>\nw\u00fcst und leer zur\u00fcck<\/p>\n<p>Er wird im Himmel seine Pirouetten drehen<br \/>\ndamit die G\u00f6tter sich in ihm entdecken<\/p>\n<p>(c) Jutta Schubert, 14. Juli 2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, am Tag, da Deutschland jubeln darf, weil wir gestern Nacht in Brasilien Fu\u00dfball-Weltmeister geworden sind, erreicht uns die traurige Nachricht, dass einer der ganz gro\u00dfen Theaterschauspieler des 20. Jahrhunderts gestorben ist: Gert Voss. So nah liegen Freude und Trauer beieinander. Das passt zu ihm, auf diesem schmalen Grat interpretierte er zahllose Rollen. 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