{"id":1104,"date":"2018-02-18T13:58:16","date_gmt":"2018-02-18T13:58:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schubert-jutta.de\/?p=1104"},"modified":"2018-02-18T13:58:16","modified_gmt":"2018-02-18T13:58:16","slug":"gedenken-am-18-februar-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/?p=1104","title":{"rendered":"Gedenken am 18. Februar 2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu blau der Himmel im Februar&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p>Heute vor genau 75 Jahren betraten zwei mutige Studenten, ein Mann und eine Frau, die M\u00fcnchner Universit\u00e4t mit einem Koffer voller Flugbl\u00e4tter gegen Hitlers Regime. Stalingrad war gefallen, was die Wende des Zweiten Weltkrieges einl\u00e4utete, so dass die Bev\u00f6lkerung hoffte, dass der Krieg nun nicht mehr lange dauern konnte. Die beiden Studenten legten ihre Flugbl\u00e4tter im Lichthof der Universit\u00e4t auf den Treppenstufen, Simsen, Abs\u00e4tzen und vor den T\u00fcren zu den Vorlesungsr\u00e4umen aus. Genauer, das letzte Flugblatt der &#8222;Wei\u00dfen Rose&#8220;, wie sich die kleine Gruppe der Widerst\u00e4ndler, bestehend aus einer Handvoll Studenten und einem Professor, nannte. Von der zweiten Galerie lie\u00dfen sie den letzten Packen Flugbl\u00e4tter in den Lichthof hinunter segeln, was dem Hausmeister Schmid auffiel, der sie daraufhin, ohne daf\u00fcr die Befugnis zu haben, verhaftete und der Universit\u00e4tsleitung, sp\u00e4ter dann der Gestapo \u00fcbergab. Der Mann wollte nicht, dass sie seinen sauber gekehrten Lichthof beschmutzten. Er gab sp\u00e4ter an, er h\u00e4tte sie auch dann nicht laufen lassen, wenn sie Butterbrotpapier von der Galerie geworfen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wir erinnern uns in diesem Gedenkjahr 2018 an das mutige Aufbegehren dieser Studenten im gewaltlosen Widerstand gegen den nationalsozialistischen Terror. Die f\u00fcnf ma\u00dfgeblichen Drahtzieher der Flugblattaktionen, das Ulmer Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl, der Medizinstudent Alexander Schmorell, sein bester Freund Christoph Probst sowie der aus Saarbr\u00fccken stammende Willi Graf wurden verhaftet, verh\u00f6rt, von Blutrichter Freisler vor dem sogenannten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und allesamt im Jahr 1943 hingerichtet, ebenso wie der Philosophieprofessor Kurt Huber, der das letzte Flugblatt der &#8222;Wei\u00dfen Rose&#8220; unter dem Einfluss des Falls von Stalingrad verfasst hatte.<\/p>\n<p>Die meisten \u00fcberlebenden Augenzeugen dieser Zeit, von denen ich viele noch pers\u00f6nlich treffen und befragen konnte, sind nicht mehr am Leben. Doch das Geschehen von damals darf nicht vergessen werden. Ein Akt der Zivilcourage, der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung, des mutigen Widerstands gegen ein verbrecherisches, m\u00f6rderisches und diktatorisches System. Wir k\u00f6nnen leider heute vielf\u00e4ltige Parallelen zu dieser Art von Machtapparaten ziehen. Und wir erleben sowohl in unserem Land als auch in sehr vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern eine R\u00fcckkehr zu nationalistischem Gedankengut, das Erstarken einer rechten, gewaltbereiten Szene mit verbalen und k\u00f6rperlichen Attacken gegen Andersdenkende bis in den Bundestag hinein. Dies ist eine wirklich erschreckende und ernst zu nehmende Entwicklung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/2017\/10\/meine-lesung-in-weingarten\/img_8238-kopie\/\" rel=\"attachment wp-att-967\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-967\" src=\"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/IMG_8238-Kopie-1024x803.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"458\" srcset=\"https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/IMG_8238-Kopie-1024x803.jpg 1024w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/IMG_8238-Kopie-300x235.jpg 300w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/IMG_8238-Kopie-768x602.jpg 768w, https:\/\/www.schubert-jutta.de\/wp-content\/uploads\/IMG_8238-Kopie-383x300.jpg 383w\" sizes=\"auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mein Roman &#8222;Zu blau der Himmel im Februar&#8220;, mit dem ich auch in diesem Gedenkjahr wieder auf Lesungstour unterwegs bin, steht absolut gegen solche Tendenzen und gegen das Vergessen. Vor allem auch jungen Menschen muss diese Geschichte erz\u00e4hlt werden. Verharren wir einen Moment und schauen in den auch heute sehr blauen Himmel hinauf. Laut den Augenzeugen war er w\u00e4hrend der Geschehnisse 1943 genauso blau, was ihnen wie ein Hohn vorkam. \u00dcberlegen wir einen kleinen Augenblick, was jede und jeder von uns tun kann, um die Welt ein klein wenig menschlicher zu machen, Toleranz zu \u00fcben, Hilfe zu leisten, Verst\u00e4ndnis aufzubringen, gegen Gewalt und Willk\u00fcr das Wort zu ergreifen. Nur so werden wir weiterhin in Freiheit zusammenleben k\u00f6nnen. Nur so werden wir die von den Gr\u00fcndungsv\u00e4tern der jungen Bundesrepublik ehedem aus schlimmer Erfahrung aufgestellten, geforderten und festgeschriebenen Grundrechte nicht verraten und verkaufen. Die Taten der Menschen um die &#8222;Wei\u00dfe Rose&#8220; lehren uns, dass jede und jeder Einzelne von uns gefragt ist. Wir k\u00f6nnen das nicht anderen \u00fcberlassen. Es gibt keine anderen. Nur uns.<\/p>\n<p>Jutta Schubert, 18. Februar 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu blau der Himmel im Februar&#8230;. Heute vor genau 75 Jahren betraten zwei mutige Studenten, ein Mann und eine Frau, die M\u00fcnchner Universit\u00e4t mit einem Koffer voller Flugbl\u00e4tter gegen Hitlers Regime. 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