Vorstellung meiner Bücher auf der Frankfurter Buchmesse

Am Samstag, dem 13. Oktober 2018, habe ich auf der Frankfurter Buchmesse meine Bücher in einem Gespräch mit der Journalistin Kathrin Schwedler und dem Verleger Axel Dielmann am Messestand des Hessischen Literaturrats vorgestellt.

 

 

 

 

Es war eine wunderbare Veranstaltung, die viel Gelegenheit zum Gespräch bot, auch über künftige Buchprojekte. Und obwohl es eigentlich erst am letzten Tag der Messe erlaubt ist, also am Sonntag, konnte sich der Verleger über Buchverkäufe freuen.

Weihnachtsmärchen Premiere

Im 10. Dezember hatte das Stück Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen,
das ich gemeinsam mit dem Moskauer Autor Michail Bartenjev geschrieben habe, als Weihnachtsmärchen im Stadttheater Fürth, Großes Haus, Premiere

Erschienen in den „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm, hat das Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ Einzug gefunden in unser sprachliches wie kulturelles Erbe. „Kegeln mit Köpfen? Wie gruselig!“ – Was so im jugendlichen Sprachgebrauch angekommen und gegenwärtig ist, gelangte erst durch dieses Märchen ins Hochdeutsche: das Gruseln. Im diesjährigen Familienstück zur Weihnachtszeit wollen wir unserem kleinen Publikum natürlich nicht das Gruseln beibringen oder den großen Besuchern mit einem oberflächlichen Budenzauber wohlige Schauer über den Rücken laufen lassen. Die aktuelle und doch zeitlose Bühnenfassung von Michail Bartenjew und Jutta Schubert zeigt, dass Angst ein Wesenszug aller Menschen ist, der uns innewohnt und dem wir uns immer wieder stellen müssen, den wir aber auch zum Glücklichsein brauchen. Furcht und Angst können aber auch etwas sein, das andere in uns erzeugen wollen, um uns in ihrem Interesse zu beeinflussen und zu manipulieren. Diesen Unterschied arbeitet die vorliegende Fassung in einer poetisch ausgefeilten Sprache – die dabei aber immer zeitgemäß und authentisch bleibt bisweilen auch hochkomisch wird – klar heraus. Der Held entwickelt sich im Laufe des Stücks von einem furchtlosen Naivling zu einem besorgten Menschen, der die Angst kennenlernt: in der Sorge, dass einem geliebten Menschen etwas zustoßen könne. Eine Parabel, die uns allen in Furcht einflößenden Zeiten Mut zusprechen kann, sich Angstmachern entgegenzustellen und Mitmenschlichkeit zu leben.

Vorankündigung zu „Casanovas Nacht“

Meine Komödie „Casanovas Nacht“ hat am kommenden Samstag, dem 14. März PREMIERE.

Hier gibt es eine ausführliche Vorankündigung in der „Mitteldeutschen Zeitung“ zu lesen:

casanovHolger Vandrich spielt Giacomo Casanova
Regie und Ausstattung: Jutta Schubert
Fechtchoreografie u. -training: Mona Syhre

weitere Vorstellungen: Freitag, 20. März; Samstag, 21. März; Samstag, 4. April; Sonntag, 5. April; Freitag, 15. Mai und Samstag, 23. Mai, jeweils um 19.30 Uhr

Kartentelefon: 03445-273480
Weitere Informationen unter: www.theater-naumburg.de

Briefe aus Prag – 8

Montag, 10. November 2014

Im Ballsaal

Liebster,

der Pianist im Café Slavia spielt, während sich die Kaffeehausbesucher unterhalten, die Mobiltelefone klingeln, die Kellner mit klappernden Tellern vorbeihasten, während vor den großen Fenstern die Nacht hereinbricht und die Fassade des Nationaltheaters gegenüber, eben noch schwärzlich grau, jetzt in leuchtendem Ocker erstrahlt.

Da er dazu verurteilt ist, in einer Stadt zu leben, deren Zentrum ein immerwährender Ballsaal ist, in dem die Lichter nicht ausgehen, die Touristen kaufen, die Straßenbands spielen, die Fotoapparate klicken und das Leben ein nicht enden wollendes Fest zu sein scheint, setzt er ein verschlossen freundliches Gesicht auf und versteckt alles, was ihn bewegt hinter der Fassade seines schwarzen Anzugs, dem weißen Hemdkragen, den hübschen Lackschuhen. Er ist nicht mehr jung. Er wartet schon lange nicht mehr auf Applaus. Ein gedrungener Mann, der hinter dem schwarzen Flügel nahezu verschwindet. Er hat noch volles, weißes Haar und buschige graue Augenbrauen, unter denen zwei tief liegende traurige Augen hervorschauen. Ohne bestimmte Aufmerksamkeit folgen sie dem Geschehen um ihn herum.

Niemand scheint ihn zu bemerken. Hektische junge Mütter ziehen ihre Kleinkinder vom Treppenabsatz neben seinem Flügel hoch, die Kinder greinen. Suchende Touristinnen übersehen ihn auf dem Weg zur Toilette. Hört ihm jemand zu? Hört ihn überhaupt jemand? „As time goes by“ spielt er, dann Chopin, Beethoven. Eine junge Frau lugt vorsichtig hinter dem Wandvorsprung hervor, vor dem er sitzt. Ist er echt?

„Where do I begin to tell the story….“ spielt er, so geschmeidig, wie die zwischen den Apfelstrudelscheiben langsam und genüsslich zerlaufende Sahne.

Das Slavia ist ein leuchtendes Traumschiff, es legt ab und fährt die Moldau hinunter bis zur Elbe und weiter, es wird größer, je näher es dem Meer kommt, strahlend hebt sich Deck um Deck aus dem Wasser, sehr aufrecht, stolz. Er träumt. „Weißt du wohin mein Herz auf Reisen geht?“ spielt er, und die blauen Schatten um seine Augen wachsen.

Slavia2

(c) Schubert

Das Schiff wird Hamburg erreichen und sich von dort aufmachen über den Atlantik, ein zerbrechliches Juwel auf der weithin dunklen See, die der Rundung der Erde folgt, und er wird spielen, nächtelang, bis zur Hafeneinfahrt von New York. Wie groß und reich viele Teile der Welt sein können und welche scheinbar unerschöpflichen Möglichkeiten sie bieten, wenn man nur das Glück hat, auf der „richtigen“ Seite der Halbkugel zu sein.

Verirrte Touristen tanzen im Ballsaal. „Wo geht es denn jetzt zur Karlsbrücke?“ Dort, wohin sie gehen, jedenfalls nicht. Wie ortskundig ich auf einmal schon bin. Doch ich schweige und sehe ihnen nach. Ein Paar kommt mir auf einem engen Bürgersteig entgegen. Ich weiche nicht aus. „Hier muss es doch irgendwo einen Taxistand geben“, sagt er und springt vom Bordstein. Sie quetscht sich an mir vorbei. „Du mit deinem Taxistand!“

Unten an der Moldau eine kleine Gruppe. „Do müsse mer nunter, die näxschte!“ Ja sicher, dort laufen ohnehin alle. In den Seitenstraßen ist es still.

Alle scheinen überall sehr beschäftigt. Nur mir ist heute ein wenig flau. Ich bin erschöpft, brauche Zeit, das Gesehene zu verarbeiten, den Körper, den ich seit einer Woche übers Kopfsteinpflaster schleppe, auszuruhen.

Still ist es geworden im Café. Als ich von meinen Notizen aufblicke, ist der Klavierspieler fort. Der Pianist lässt sich entschuldigen. Er ist zu Schiff nach…

In Liebe,
Deine