Giessener-Anzeiger zu meiner Lesung aus „Zu blau der Himmel im Februar“

Der Giessener-Anzeiger schreibt zu meiner Lesung aus dem Roman 
"Zu blau der Himmel im Februar" über das Schicksal Alexander
Schmorells, der gemeinsam mit Hans Scholl die Widerstandsbewegung
"Die Weiße Rose " gegründet hat:
Zugegeben kein leichter Stoff ist die traurige Geschichte der Widerstandsorganisation „Weißen Rose“, die Jutta Schubert den zahlreichen Zuhörern mit der Lesung im Hohaus-Museum nahebrachte. Dabei hat die Wiesbadener Theaterregisseurin bewusst auf genaue Recherche und Kontakt mit den letzten Zeugen gesetzt: „Alle Fakten, soweit ich sie rekonstruieren konnte, stimmen. Man hätte eigentlich auch ein Sachbuch schreiben können.“ Worte, die die Zuhörer im Laufe des Abends noch öfters verfolgen sollten.

Mit ihrem Roman „Zu blau der Himmel im Februar“ beschrieb Jutta Schubert, bewusst im Rahmen der Gedenktage an die Verhaftung und Hinrichtung der Geschwister Scholl vor 75 Jahren, die letzten Stunden im Leben des Alexander Schmorell. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er verraten wird“, liest es sich auf der Rückseite des Romans dazu. Ohne Schmorell hätte es die „Weiße Rose“ nie gegeben. Die Münchner Verbindung, die im Kern nur aus fünf Studenten und einem Professor bestand, war eine der wenigen, die sich gegen das Regime des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkrieges auflehnte. Bekannt wurde sie schnell durch Antipropaganda in Form von Flugblättern, aber auch Parolen an Gebäuden wie „Nieder mit Hitler“ und „Hitler Massenmörder“ brachten internationale Bekanntheit – wenn damals auch den sicheren Tod. 1943 war das Ende mit der Hinrichtung der Mitglieder durch die Nazis besiegelt.

Aus dem Geschichtlichen könne heute noch einiges gewonnen werden. „Vermehrt in Schulen zu lesen“, wünscht sich die Autorin, die damit gute Erfahrungen gemacht hat. Auch Lektor Dietmar Schnell, der in Vertretung der Rosa-Luxemburg-Stiftung sprach, schlug in seiner Einführungsrede in die Kerbe des Geschichtsunterrichtes und wies darauf hin, dass trotz zahlreicher Zuhörer kaum Jugendliche im Raum zu finden waren. Es sei nach wie vor ein Thema, was im Geschichtsunterricht der Schulen vorkommen sollte.

Dramaturgisch hatte das Werk mit einem Sachbuch dennoch wenig gemein. Der blau beleuchtete Lesesaal des Hohhaus-Museums war auch nach der Pause schnell wieder gefüllt und die Spannung ebenso schnell wieder aufgebaut. Spürbar nicht wenige hatten Lust auf mehr, denn der Tisch um die Autorin war zu keiner Gelegenheit leer.

(c) Text u. Bild : (Ruben König)

 

Gedenken am 18. Februar 2018

Zu blau der Himmel im Februar….

Heute vor genau 75 Jahren betraten zwei mutige Studenten, ein Mann und eine Frau, die Münchner Universität mit einem Koffer voller Flugblätter gegen Hitlers Regime. Stalingrad war gefallen, was die Wende des Zweiten Weltkrieges einläutete, so dass die Bevölkerung hoffte, dass der Krieg nun nicht mehr lange dauern konnte. Die beiden Studenten legten ihre Flugblätter im Lichthof der Universität auf den Treppenstufen, Simsen, Absätzen und vor den Türen zu den Vorlesungsräumen aus. Genauer, das letzte Flugblatt der „Weißen Rose“, wie sich die kleine Gruppe der Widerständler, bestehend aus einer Handvoll Studenten und einem Professor, nannte. Von der zweiten Galerie ließen sie den letzten Packen Flugblätter in den Lichthof hinunter segeln, was dem Hausmeister Schmid auffiel, der sie daraufhin, ohne dafür die Befugnis zu haben, verhaftete und der Universitätsleitung, später dann der Gestapo übergab. Der Mann wollte nicht, dass sie seinen sauber gekehrten Lichthof beschmutzten. Er gab später an, er hätte sie auch dann nicht laufen lassen, wenn sie Butterbrotpapier von der Galerie geworfen hätten.

Wir erinnern uns in diesem Gedenkjahr 2018 an das mutige Aufbegehren dieser Studenten im gewaltlosen Widerstand gegen den nationalsozialistischen Terror. Die fünf maßgeblichen Drahtzieher der Flugblattaktionen, das Ulmer Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl, der Medizinstudent Alexander Schmorell, sein bester Freund Christoph Probst sowie der aus Saarbrücken stammende Willi Graf wurden verhaftet, verhört, von Blutrichter Freisler vor dem sogenannten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und allesamt im Jahr 1943 hingerichtet, ebenso wie der Philosophieprofessor Kurt Huber, der das letzte Flugblatt der „Weißen Rose“ unter dem Einfluss des Falls von Stalingrad verfasst hatte.

Die meisten überlebenden Augenzeugen dieser Zeit, von denen ich viele noch persönlich treffen und befragen konnte, sind nicht mehr am Leben. Doch das Geschehen von damals darf nicht vergessen werden. Ein Akt der Zivilcourage, der freien Meinungsäußerung, des mutigen Widerstands gegen ein verbrecherisches, mörderisches und diktatorisches System. Wir können leider heute vielfältige Parallelen zu dieser Art von Machtapparaten ziehen. Und wir erleben sowohl in unserem Land als auch in sehr vielen anderen europäischen Ländern eine Rückkehr zu nationalistischem Gedankengut, das Erstarken einer rechten, gewaltbereiten Szene mit verbalen und körperlichen Attacken gegen Andersdenkende bis in den Bundestag hinein. Dies ist eine wirklich erschreckende und ernst zu nehmende Entwicklung.

Mein Roman „Zu blau der Himmel im Februar“, mit dem ich auch in diesem Gedenkjahr wieder auf Lesungstour unterwegs bin, steht absolut gegen solche Tendenzen und gegen das Vergessen. Vor allem auch jungen Menschen muss diese Geschichte erzählt werden. Verharren wir einen Moment und schauen in den auch heute sehr blauen Himmel hinauf. Laut den Augenzeugen war er während der Geschehnisse 1943 genauso blau, was ihnen wie ein Hohn vorkam. Überlegen wir einen kleinen Augenblick, was jede und jeder von uns tun kann, um die Welt ein klein wenig menschlicher zu machen, Toleranz zu üben, Hilfe zu leisten, Verständnis aufzubringen, gegen Gewalt und Willkür das Wort zu ergreifen. Nur so werden wir weiterhin in Freiheit zusammenleben können. Nur so werden wir die von den Gründungsvätern der jungen Bundesrepublik ehedem aus schlimmer Erfahrung aufgestellten, geforderten und festgeschriebenen Grundrechte nicht verraten und verkaufen. Die Taten der Menschen um die „Weiße Rose“ lehren uns, dass jede und jeder Einzelne von uns gefragt ist. Wir können das nicht anderen überlassen. Es gibt keine anderen. Nur uns.

Jutta Schubert, 18. Februar 2018

Januar-Lesung in Mainz

Am Montag, 29. Januar 2018, habe ich vor über 100 Schülern in der Sophie-Scholl-Schule, Mainz, Feldbergplatz 4. 55118 Mainz anlässlich des Gedenkens an 75 Jahre Hinrichtung der Mitglieder der „Weißen Rose“ aus meinem Roman „Zu blau der Himmel im Februar“ gelesen.

Die Sophie-Scholl-Schule ist ein geschichtsträchtiger Ort. Die Schule wurde im Jahre 1896 vom „Verein Mainzer Frauenarbeitsschule“ gegründet. Die Gründer waren sozial engagierte Frauen und Männer, die eine berufliche Bildung auch für Mädchen anbieten wollten, zur damaligen Zeit alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Unter den Nationalsozialisten diente die Schule zur  „Erziehung zur deutschen Frau und Mutter“. Bei der ersten Deportation Mainzer Juden wurde die Turnhalle als Sammelplatz benutzt, die nach dem 2. Weltkrieg als Synagoge diente und aus dieser Zeit noch eine sehr schöne Deckenbemalung hat. Heute werden dort vor allem AltenpflegerInnen, ErzieherInnen und SozialassistentInnen ausgebildet.